Michaels Achillesfeigen

Klein, groß, grün, gelblich, violett, gestreift oder uni: rund 450 verschiedene Sorten Feigen züchtet Michael Krauliz im Osten Wiens. „Von den winterhärtesten bis zu den wohlschmeckendsten. Alte bewährte Sorten, sowie Neuzüchtungen aus aller Welt“, heißt es vielversprechend auf seiner Website. Grund genug für mich, an einem lauen Spätsommerabend den weiten Weg nach Simmering anzutreten. Auch wenn der wolkenverhangene Himmel nichts Gutes verheißt.

Irgendwo im Nirgendwo angekommen, werde ich erstmal von einer aufgeregten Hühnerschar empfangen. In einem der Glashäuser finde ich dann Michael – mitten bei der Arbeit. Es ist schließlich gerade Hochsaison und da hat der stolze Feigenbesitzer viel zu tun. Ariane, Oro, Dalmatie – der studierte Architekt kennt jede Sorte beim Namen. Viele Arten können nur von einer ganz bestimmten Feigenwespenart bestäubt werden, was die Zucht nicht unbedingt einfacher macht. Und auch für die Ernte braucht es einiges an Geduld. Nur wenn die Früchte ganz reif gepflückt werden, entfalten sie den vollen Geschmack und ihre sinnliche Süße. Weite Transportwege würden die kostbaren Schätze nicht überstehen, daher ist es besonders ratsam, direkt ab Hof zu kaufen. Den Überschuss verarbeitet Krauliz gerne zu Feigensenf und Marmelade. Auch mit ein paar Wiener Eissalons laufen derzeit Experimente, erzählt mir Michael. Aus feinen Feigen gutes Gelato zu machen, ist aber scheinbar gar kein so leichtes Unterfangen.

  • Achilles Feigen
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Wie und warum wird man eigentlich Feigenzüchter? In Michaels Fall aus reiner Leidenschaft und dank eines kleinen Winks vom Schicksal. Am Tag der Geburt seines Sohnes Achilles sei er mitten in Wien quasi über einen Feigenbaum gestolpert und mit einer Idee schwanger geworden. Nach und nach hat sich dann der Traum von einer eigenen Feigenzucht erfüllt. Ein Buch über Feigen zu schreiben, das wäre noch so ein Wunsch, meint der Halb-Grieche. Und den Lebensabend im Süden unter Feigenbäumen zu verbringen.

Meine Frage nach einer Lieblingssorte quittiert der Feigen-Afficionado nur mit einem Kopfschütteln. Wer könnte denn auch unter so vielen Schönheiten wählen? Von der adretten Hühnerschar ganz zu schweigen.

Verfasst von

...auf der Suche nach la dolce vita

6 Kommentare zu „Michaels Achillesfeigen

  1. Wow! Wie interessant! Wir haben nur einen Feigenbaum auf der Terrasse. Ich kenne auch seinen botanischen Namen nicht, aber dafür heißt er „Federico, il fico“. An ihm wachsen dunkelrote Feigen. Der Marktverkäufer meinte damals, die würden besser schmecken. Aber ehrlich, mir schmecken sie alle! :)

    1. federico, il fico – der name gefällt mir! ☺️ bin bei feigen auch nicht ganz so wählerisch, zählt zu meinem lieblingsobst, aber diese waren schon sehr besonders. ❤️

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