Cantucci: Eine Lovestory

Meine Großeltern väterlicherseits sind einander bei einer Tanzveranstaltung am Arno zum ersten Mal begegnet. In einer lauen Sommernacht, im Glanz der Laternen, die sich im Wasser gespiegelt haben. Was nach einer storia d’amore made in Hollywood klingt, war aber eigentlich gar nicht wirklich romantisch. Zumindest nicht im Sinne von Liebe auf den ersten Blick. Denn mein Opa, gebürtig aus Mailand, während des Krieges aber in Florenz stationiert, hat erstmal eine barsche Abfuhr kassiert. Ganz die stolze Sardin, die sie eben nun einmal war, hat meine Oma ihn mit den Worten „Ich tanze nicht mit Soldaten“ abblitzen lassen.

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Einfach coram publico nach links geswiped werden? So etwas kann man als Italiener natürlich nicht einfach auf sich sitzen lassen. Und irgendwie wurde aus den beiden dann eben doch ein Paar. Genaue Details hierzu sind nicht überliefert, ich kenne die Geschichte nur aus zweiter Hand. Meine Nonna ist lange vor meiner Geburt jung gestorben und an meinen Nonno erinnere ich mich auch nur noch dunkel, als jemanden, der zwei Mal im Jahr aus Italien angereist kam und immer jede Menge Süßigkeiten im Gepäck hatte: meistens Torrone und Cantuccini – zwei Dinge, die ich bis heute liebe.

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Vor Jahren, nach seiner Pensionierung, hat mein Vater dann aus einer Laune heraus begonnen, selbst Cantuccini in rauen Mengen zu fabrizieren. Nicht weil er sie so gerne gegessen hat, sondern weil er in seiner sardischen Sturheit auf der Suche nach dem perfekten Rezept war. Und das hat durchaus seine Tücken: Die Kekse werden zwei Mal gebacken, als Laib und in Scheiben geschnitten. Das macht sie aber so hart, dass sie eigentlich nur eingetunkt genießbar sind. Dafür darf es traditionellerweise ein Gläschen Vin Santo, ein süßer Dessertwein, sein. Zur Not tut es natürlich auch ein starker caffè. Weil ich sie gerne in einem Becher kalter Mandelmilch einweiche, backe ich meine mit Schokolade verfeinerte Version aber immer eine Nummer größer. Macht den Verzehr einfacher, ändert aber nichts am Geschmack – oder an der Konsistenz. Steinhart und staubtrocken: Meine Oma hätte sie bestimmt auch gemocht.

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ZUTATEN:

  • 250 g Weizenmehl (ideal: Type 00)
  • 220 g Staubzucker
  • 1 TL Backpulver
  • 2 Eier (L)
  • 60 g dunkle Schokolade
  • 80 g ungeschälte Mandeln
  • 1 EL Milch

ZUBEREITUNG:

Die Mandeln im Ofen bei 200 Grad rund 5 Minuten rösten, dann mit dem Messer grob hacken.

Mehl, Zucker und Backpulver mischen. Die Eier in einem Glas verquirlen und gemeinsam mit den Mandeln und der gehackten Schokolade zu einem Teig verarbeiten.

Auf einem mit Backpapier belegten Blech zu einer flachen Flade formen, mit der Milch bepinseln und bei 200 Grad (Ober- und Unterhitze) 18 Minuten backen.

Aus dem Ofen holen, abkühlen lassen und diagonal in Stücke schneiden.

Die Scheiben bei 125 Grad weitere 45 Minuten backen.

Verfasst von

...auf der Suche nach la dolce vita

8 Kommentare zu „Cantucci: Eine Lovestory

  1. jetzt im herbst kann man endlich wieder kekse backen! an cantuccini knabbern, dazu eine tasse heiße schokolade – herrlich! <3

  2. ich lieeeebe cantuccini und biscotti! ganz pur, tunke sie nie ein. irgendwann werde ich mir noch die zähne daran ausbeißen :)

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