Triestessen

Dem Charme von Triest bin ich schon erlegen, noch bevor ich je dort gewesen bin. „Ein bisschen wie Wien – nur am Meer“, heißt es oft über die Hafenstadt im Norden Italiens – Attribute, die für mich nach der perfekten Destination für ein verlängertes Wochenende mit Kulinarikschwerpunkt klingen. Und tatsächlich fühlt man sich als Wienerin schon bei der Ankunft sofort wohl zwischen den pittoresken Prachtbauten, durch die immer noch immer ein bisschen der Geist der k.u.k.-Monarchie weht. Vielleicht ist es aber auch nur die Bora, die gelegentlich recht heftig durch die Gassen pfeift.

Triest | lacapocuoca.at

Triest Börse | lacapocuoca.at

Windig war es bei meiner Ankunft am späten Nachmittag nicht, aber leicht regnerisch und trüb. Dafür wurde ich mit einem Regenbogen über der beeindruckenden Piazza dell’Unità d’Italia entschädigt, die in den kommenden Tagen Dreh- und Angelpunkt meiner Erkundungen werden sollte. Auf drei Seiten ragen monumentale Palazzi empor, eine Seite ist zum Meer hin offen – ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst. Kaum zu glauben, dass die Stadt kaum mehr als ein verschlafenes Fischerdorf war, bevor ihr Kaiserin Maria Theresia den Status eines Freihafens verlieh und damit ihre Blütezeit einläutete. Auch heute noch ist Triest eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität Italiens. Das Meer ist trotz des Hafens überraschend sauber. Beste Voraussetzungen also, augiebig Fisch aus der Region zu verkosten. Sardinen, Kalmare und Muscheln sind reich im Golf von Triest vertreten – und mir auf dem Teller immer sehr willkommen, sofern die Qualität passt.

Dass mein Air BnB nur wenige Gehminuten von der vor kurzem neu eröffneten Eataly-Depandance gelegen ist, war eine mehr als erfreuliche Überraschung. Also habe ich mich erst einmal mit Highend-Pasta und Lakritze eingedeckt und bin dann auf Richtung Wochenmarkt – wo ich auch gleich eine spannende Entdeckung gemacht habe: Sclopit. Das unscheinbare Gewächs, im deutschsprachigen Raum unter dem schönen Namen Taubenkropf-Leimkraut bekannt, ist in dieser Region Italiens eine begehrte Zutat für Risotti oder Frittate. Begehrt vor allem deshalb, weil nur die jungen Triebe im Frühling gepflückt werden können. Der Geschmack ist leicht süßlich, erinnert ein bisschen an Erbsen mit würzigen Anklängen von Lakritze.

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Eine Besonderheit in Triest sind die Buffets – über 50 gibt es davon in der Stadt. Sie haben hier eine lange Tradition, versorgten einst ausgehungerte Arbeiter in der Nähe des Hafens mit einem schnellen Imbiss. Dementsprechend deftig ist die Küche: Würstel, Schinken, gekochtes und geselchtes Fleisch, ganz nach altösterreichischer Tradition. Gegessen wird bis heute meist im Stehen, was müden Touristen eigentlich nicht sehr entgegen kommt. Ich habe mir im berühmten Buffet da Pepi trotzdem lingua und crauti schmecken lassen, also gekochte Zunge und Sauerkraut. Für eine Jota, die regionale Suppenspezialität aus Bohnen, Kartoffeln und Selchfleisch, war es mir an diesem warmen April-Tag irgendwie zu sommerlich.

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Leidenschaftlichen Kaffeetrinkern (zu denen ich mich nur in Italien zähle), sei als Stärkung zwischendurch der Capo in B (kurz für „Capo in bicchiere“, auch „Capo Triestino“ genannt) wärmstens ans Herz gelegt – eine Art Mini-Cappuccino, der im Glas serviert wird. Besonders stilvoll lassen sich Kaffee und süßes Gebäck in der Pasticceria La Bomboniera genießen, der letzten noch im Originalzustand erhaltenen Jugendstil-Konditorei Triests. Hier wird seit 1850 nach bewährter k.u.k.-Traditon gebacken. Unwiderstehlich: Noch warme Trecce und Brioches aus dem holzbefeuerten Original-Backofen.

Sissi Bar Triest | lacapocuoca.at

Zum Abschluss folgte ich dann noch mit der Buslinie Nr. 6 der Küste entlang, Richtung Castello di Miramare. Einst als Wohnsitz für Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich, den Bruder Kaiser Franz Josephs I., und dessen Gattin Charlotte von Belgien erbaut, thront das Schloss bis heute auf einer Felsenklippe der Bucht von Grignano, etwa fünf Kilometer nordwestlich von Triest. In den ausgedehnten Gartenanlagen kann man schon mal einen ganzen Nachmittag verbringen und mit Blick aufs Meer Pläne für neue Reisen schmieden. Trieste, ci vediamo!

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Meine Triest Shortlist:

Ein Aperitivo in der Gran Malabar auf der Piazza San Giovanni – in Triests führender Enoteca lässt es sich wunderbar auf den Abend einstimmen.

Ein herrlich entspanntes Abendessen im Ristorante ai fiori – Spaghetti mit Seespinne, ein fritto misto to die for und zum Abschluss Sorbet.

Butterzarter Polpo in umido in der Osteria Salvagente.

Baccalà mantecato und ein Gläschen Weißwein im „Fischlaboratorium“
SaluMare in der Via Cavana. Piero Anzellotti betreibt die einzige handwerkliche Fischräucherei der Altstadt und wartet hungrigen Passanten mit Stör, Lachs und Schwertfisch auf.

Verfasst von

...auf der Suche nach la dolce vita

7 Kommentare zu „Triestessen

  1. oh triest, wie schön! war schon viel zu lange nicht mehr dort, bestimmt fünf jahre.. deine bilder wecken aber wirklich große reiselust! lg, tina

  2. kaum zu glauben, aber ich war noch nie in triest! dabei ist das ja quasi vor der haustüre… :) kommt sofort auf die liste!

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