Dolce Vita auf den Aeolischen Inseln

„Niemand ist eine Insel, in sich ganz; jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Festlandes.“

John Donne, englischer Schriftseller und Dichter


Inseln haben auf mich schon immer eine merkwürdige Faszination ausgeübt – vermutlich das Vermächtnis meiner sardischen Großmutter. Egal ob große, dicht besiedelte Landmassen oder beinahe unbewohnte Eilande – Hauptsache jede Menge Meer ringsherum. Die Aeolischen Inseln nördlich von Sizilien waren Schauplatz meines diesjährigen Sommerausklangs. Als Urlaubsziel stellen die „sieben Schwestern“ Lipari, Salina, Panarea, Stromboli, Vulcano, Alicudi und Filcudi natürlich eine kleine Herausforderung in Sachen Anreise dar, und auch vor Ort muss man sich erst einmal an einige merkwürdige Gepflogenheiten gewöhnen –  aber Verschlossenheit und Starrsinn sind schließlich Eigenschaften, die man Inselbewohnern nicht ganz umsonst nachsagt.

Alicudi | La Capocuoca
Auf den ersten Blick fesselt die Inselgruppe im Tyrrhenischen Meer natürlich durch ihre rohen Naturgewalten: ein aktiver Vulkan, bizarre Gesteinsformationen, weiße Bimssteinklippen, versteckte Grotten. Aber nicht nur Geologen und Vulkanologen, auch Genießer kommen auf den Isole Eolie durchaus auf ihre Kosten – sofern sie den süßen Seiten des Lebens nicht abgeneigt sind. Hier wird schon morgens alles aufgefahren, was möglichst fett- und zuckerhaltig ist. Gefüllte bomboloni, flaumige brioches – sogar Schokokuchen geht in Begleitung eines cappuccino locker als Frühstück durch. Und genauso süß wird dann der restliche Tag begangen. Aber wer nicht zumindest einmal in einen cannolo gebissen hat oder eine granita gelöffelt hat, weiß schließlich nicht, was Dolce Vita ist.

Kapernsträucher sind auf den Inseln allgegenwärtig. Dementsprechend häufig finden die Blütenknospen der Pflanze auch Verwendung in der einheimischen Küche. Zu Gemüse, zu Fisch und Fleisch – sogar als Marmelade kommen Kapern auf den Tisch. Je kleiner die von Hand gepflückten Knospen, desto höher der Preis. Die deutlich größeren Früchte des Strauchs, bei uns als Kapernbeeren von keiner Antipasti-Platte wegzudenken, werden auf Sizilien cucunci genannt und hauptsächlich in warmen Panini verspeist. Auch an Feigen und Kaktusfeigen kann man sich hier sattessen – zumindest im Spätsommer.

Auch wenn das Wetter Anfang September leider nicht mehr immer zum Baden einlädt, muss hier natürlich niemand trocken bleiben: Auf den vulkanischen Böden der Inseln wird die Rebsorte Malvasia angebaut und daraus der gleichnamige Süßwein gekeltet. Den darf man sich dann gerne pur hinter die Binde gießen oder darin kleine Sesamkekse, genanannt sesamini, ertränken – als krönenden Abschluss eines üppigen Abendmahls. Eine Flasche des strohgelben Rebensaftes habe ich heil mit nach Wien gebracht – auf dass sie mir in den kommenden Monaten Schluck für Schluck viele schöne Erinnerungen an den Sommerausklang auf den feurigen Inseln zurückbringen möge…

Meine persönlichen Urlaubshighlights:

  • Die wildromantische Cala di Sotto auf Salina, Drehort für den entzückenden Film „Il Postino“ mit Massimo Troisi und Philippe Noiret
  • Eine frische Insalata di polipo in der Bar Airone auf Alicudi
  • Das cremige Mandeleis in der Gelateria Lapillo auf Stromboli
  • Die großen Cannoli mit Pistazien in der Pasticceria Subba auf Lipari
  • Die riesige Auswahl an köstlichen panini caldi bei Gilberto e Vera auf Lipari

Insalata di polipo | La Capocuoca

Verfasst von

...auf der Suche nach la dolce vita

9 Kommentare zu „Dolce Vita auf den Aeolischen Inseln

  1. oh wie schön! ich war zwar schon zwei mal auf sizilien, aber auf den aeolischen inseln noch nie. hoffe, dass ich ganz bald mal hinkomme. und dann gibt es natürlich granita satt! :)

      1. Obst und Gemüse aus dem Kofferraum ist hier einigermaßen verbreitet, Fisch oder Muscheln auch, aber Käse … da hattest Du echt Glück auf Stromboli! :)

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